Parkour wird normalerweise mit jungen Menschen, Adrenalin und spektakulären Sprüngen von hohen Gebäuden assoziiert, doch in Singapur trainieren zunehmend auch Rentner diese äußerst anspruchsvolle Disziplin. Durch Klettern, Springen und das Überwinden urbaner Hindernisse versuchen sie, Kraft, Beweglichkeit und die Qualität ihres Alltags zu erhalten.
Mehr Selbstständigkeit im Alltag
Unter den Teilnehmern ist auch Betty Boon, die fast 70 Jahre alt ist. Sie erzählte Net.hr, dass ihr Parkour eine neue Ebene der Unabhängigkeit gebracht hat. "Jetzt trage ich meine Koffer und mein Gepäck selbst. Ich mache alles alleine. Früher habe ich meinen Sohn und meinen Mann gebeten, meine Taschen zu tragen, aber jetzt mache ich das selbst", sagte Boon.
Für das Training sind keine speziellen Geräte oder Fitnessstudios erforderlich. Es werden Treppen, Geländer und andere Hindernisse genutzt, die in der alltäglichen Umgebung zu finden sind, und die Übungen umfassen Laufen, Klettern und Springen. Genau diese Zugänglichkeit macht das Programm für ältere Menschen attraktiv, die aktiv bleiben möchten, ohne spezialisierte Zentren aufsuchen zu müssen.
Sicherheit und gegenseitige Unterstützung
Patrick Goh, ein weiterer Teilnehmer, betont, dass das Alter kein Hindernis für intensives Training ist. "Wenn Sie in den Sechzigern sind und immer noch intensiv trainieren möchten, denke ich, dass Parkour großartig ist. Sie trainieren auf unterhaltsame Weise, und Sicherheit ist Teil des Trainings. Wir passen aufeinander auf", sagte Goh.
Obwohl Parkour für viele wie ein gefährlicher Sport klingt, der für ältere Menschen ungeeignet ist, ist genau diese Wahrnehmung das, was die Trainer ändern möchten. Tan Shie Boon, Parkour-Trainer und Gründer des Programms Movement Singapore, erklärt, dass das Erlernen des richtigen Fallens ein wesentlicher Bestandteil des Trainings ist. "Parkour ist eine sehr intensive Disziplin. Sie trainieren den ganzen Körper, entwickeln räumliches Bewusstsein und Reaktionsgeschwindigkeit, und Sie fallen ständig. Wenn Sie bei einem Sprung einen Fehler machen, werden Sie fallen. Aber wenn Sie fallen, lernen Sie, wie Sie beim nächsten Mal besser fallen. Das ist eine sehr praktische Disziplin", erklärte er.
Antwort auf die demografische Herausforderung
Solche Programme fügen sich in breitere Bemühungen ein, ältere Menschen so aktiv und unabhängig wie möglich zu halten, insbesondere im Hinblick auf die demografische Situation Singapurs. Mehr als ein Fünftel der Bevölkerung dieses Stadtstaates ist über 65 Jahre alt, was die Entwicklung innovativer Ansätze zur Erhaltung von Gesundheit und Funktionalität im dritten Lebensabschnitt fördert. Parkour-Training, mit Schwerpunkt auf Sicherheit und gegenseitiger Unterstützung, hat sich als eine Möglichkeit erwiesen, dieses Ziel zu erreichen.