Mehr als 300.000 Kroaten, die in Bosnien und Herzegowina leben, könnten sich bald ernsthaften Einschränkungen bei der Stromversorgung gegenübersehen. Davor warnt der Energieexperte und ehemalige Premierminister der Föderation BiH, Edhem Bičakčić, der am Montag, dem 10. August 2026, im Fernsehsender N1 seine Besorgnis über die Lage im Energiesektor des Landes nicht verbarg.
Bičakčić betont, dass der Klimawandel immer längere Trockenperioden und extreme Wetterbedingungen mit sich bringt, die die Energiesicherheit direkt gefährden. Obwohl sich BiH bereits 2006 mit dem Beitritt zur Energiegemeinschaft verpflichtet hat, die europäischen Energiepolitiken zu verfolgen, ist die Energiewende hin zu einem nachhaltigeren System gescheitert. "Aber dem folgen wir nicht und wir haben die notwendige Transformation nicht eingeleitet, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Deshalb werden die Einschnitte bei uns drastisch sein", so Bičakčić.
Kohlekraftwerke dominieren weiterhin, erneuerbare Energien unzureichend
Laut Daten der staatlichen Regulierungskommission für Elektrizität (DERK) ist die Produktionsstruktur in BiH weiterhin besorgniserregend. Mehr als die Hälfte des Stroms stammt aus Kohlekraftwerken, während erneuerbare Energien, einschließlich Wasserkraft, Solar- und Windkraft, zusammen nur 45,4 Prozent der Gesamtproduktion ausmachen.
Ein zusätzliches Problem stellt der steigende Verbrauch dar. Die wachsende Zahl von Klimaanlagen, Wärmepumpen und anderen elektrischen Geräten wird nicht durch den Bau neuer Erzeugungskapazitäten begleitet. Obwohl die diesjährige günstige Hydrologie die Stauseen vorerst stabil gehalten hat, warnt Bičakčić, dass dies nur ein vorübergehender Zustand sei.
"Wenn man sieht, dass sich die Stauseen plötzlich leeren, ist klar, dass eine Krise bevorsteht. Wenn wir sie erschöpft haben, sind die nächsten Maßnahmen Einschränkungen bei der Stromlieferung", erklärte er. Er ist der Ansicht, dass der entscheidende Fehler darin bestand, die Kohleproduktion zu vernachlässigen, bevor geeignete Ersatzquellen gesichert waren, und betont, dass die Transformation schrittweise erfolgen muss.
CBAM-Druck und fehlende Strombörse
Die Lage wird zusätzlich durch den europäischen CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) verkompliziert, dessen vollständige Anwendung Anfang 2026 begann. Dieser Mechanismus zwingt BiH zur Einführung eines Systems zur Erhebung von CO2-Emissionsabgaben, zur Einrichtung eines organisierten Strommarktes und zur Zertifizierung von Grünstrom, Anforderungen, die das Land derzeit nicht erfüllt.
"Wir sind das einzige Land, das keine Strombörse eingerichtet hat. Wir brauchen auch eine Agentur, die grüne Energie zertifiziert", warnte Bičakčić und wies auf enorme institutionelle und infrastrukturelle Defizite hin, die in Kombination mit Unwettern zu einer schweren Energiekrise führen könnten.