Ante Žigman, Gouverneur der Kroatischen Nationalbank (HNB) und Mitglied des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB), erklärte am Freitag, dass die Entscheidung über die Referenzzinssätze im September weitgehend von der Entwicklung der Ölpreise abhängen werde. Seine Einschätzung äußerte er auf LinkedIn, einen Tag nachdem die EZB bestätigt hatte, dass die wichtigsten Zinssätze unverändert bleiben.
EZB lässt Zinsen unverändert, Unsicherheit bleibt groß
Am Donnerstag entschied die EZB, die Zinssätze nicht anzutasten, und Žigman beschreibt dies als „weiterhin außergewöhnlich ausgeprägte Unsicherheit“. Der Zinssatz für die Refinanzierung der Banken bleibt bei 2,40 Prozent, die Einlagenfazilität der Banken bringt 2,25 Prozent, und die Spitzenrefinanzierungsfazilität für Geschäftsbanken liegt bei 2,65 Prozent. Die Gründe für die Vorsicht sind laut EZB die Unsicherheit bei den Inflationsprognosen aufgrund des Krieges im Nahen Osten sowie Risiken für das Wirtschaftswachstum der Eurozone.
Inflation sinkt, aber Öl könnte alles ändern
Žigman erinnerte daran, dass die Inflation im Euroraum im Juni 2026 auf 2,8 Prozent gesunken ist, nach 3,2 Prozent im Mai desselben Jahres, was teilweise auf die vereinbarte Waffenruhe im Nahen Osten und niedrigere Ölpreise zurückzuführen ist. Seitdem hat sich die Lage jedoch verkompliziert.
„Die jüngste Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran hat den Ölpreis erneut steigen lassen, was die Inflationsrisiken verstärken und sich negativ auf die Wirtschaftstätigkeit auswirken wird“
, schrieb der Gouverneur. Das Ziel der EZB ist eine Inflation von zwei Prozent mittelfristig, und die derzeitigen 2,8 Prozent liegen noch darüber.
September als entscheidend für neue Projektionen
Žigman kündigte an, dass die EZB im September 2026 neue makroökonomische Projektionen überprüfen und die Risiken für deren Erreichung bewerten wird. Besonders beobachtet werden mögliche indirekte und sekundäre Effekte der Ölpreiserhöhung auf die Inflation, die in der Regel zeitverzögert auftreten, wie steigende Transport- und Lebensmittelkosten. Diese neuen Daten werden entscheidend für die Entscheidung über die Richtung der Zinssätze sein.
Was das für Kroatien bedeutet
Kroatien ist seit dem 1. Januar 2023 Teil der Eurozone, daher gilt die Geldpolitik der EZB auch hier direkt, und die HNB hat keine eigenständige Entscheidung über die Zinsen mehr. Žigman gab dennoch einen für Kroatien spezifischen Kommentar ab:
„Die gute Nachricht ist, dass die Inflation in Kroatien in den letzten Monaten gesunken ist und sich dem Durchschnitt des Euroraums annähert, und diesen Trend erwarten wir auch im Juli. Der Anstieg der Ölpreise könnte zwar auch bei uns die Inflationsrisiken wiederbeleben, aber die Entscheidungen, die wir auf den kommenden Sitzungen treffen werden, sollten sicherstellen, dass die Inflation auch in Kroatien auf ein Niveau nahe dem langfristigen Durchschnitt zurückkehrt.“
Geopolitik als wirtschaftlicher Faktor
Die Lage im Nahen Osten wird damit zu einem Schlüsselfaktor der europäischen Geldpolitik. Die Waffenruhe vom Juni, die zur Senkung der Inflation beigetragen hat, wurde durch die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran ersetzt, was die Ölpreise an den Weltmärkten erneut steigen ließ. Höhere Ölpreise bedeuten teurere Kraftstoffe, Transport und Heizung, was sich letztlich auf fast alle Verbraucherpreise auswirkt. Die EZB wird laut Žigman alle neuen Indikatoren vor der Septembersitzung genau beobachten, auf der es je nach Entwicklung der Lage zu einer Änderung der geldpolitischen Richtung kommen könnte.