Der deutsche Automobilgigant BMW Group hat am Mittwoch offiziell den Start eines großen Programms für freiwillige Abgänge angekündigt, mit dem das Unternehmen die weltweite Belegschaft um rund 8.000 Personen reduzieren will. Laut Euronews haben CEO Milan Nedeljković und der Vorsitzende des Betriebsrats Martin Kimmich die Pläne am selben Tag den Mitarbeitern in München vorgestellt, nach sechs Wochen intensiver Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern.
Programm ohne Zwangskündigungen, vor allem für Verwaltung und Entwicklung
Wie Večernji.hr unter Berufung auf den deutschen Münchner Merkur berichtet, wird das Programm von Oktober 2026 bis Ende 2027 laufen und sich an Mitarbeiter in Verwaltung, Entwicklung und Planung richten, während Produktionsmitarbeiter nicht einbezogen werden. Ein Unternehmenssprecher bestätigte Reuters, dass es sich um freiwillige Abfindungen handelt. Laut BMW selbst beschäftigte das Unternehmen Ende 2025 weltweit 154.540 Menschen, mehr als die Hälfte der Belegschaft befindet sich in Deutschland.
Handelsblatt berichtet unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass besonders starke Auswirkungen in München, Regensburg, Dingolfing und Leipzig erwartet werden. Im BMW Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) in München, wo rund 25.000 Ingenieure, Entwickler und Experten arbeiten, wird sich der größte Teil der Reduzierung ebenfalls auf administrative und entwicklungsbezogene Positionen beziehen.
Druck des chinesischen Marktes und struktureller Wandel
BMW steht unter Druck aufgrund des schwächelnden Geschäfts in China und des strukturellen Wandels der Automobilindustrie, einschließlich der zunehmenden Konkurrenz durch chinesische Hersteller. Bereits im Juni 2026 senkte das Unternehmen die Gewinnprognose für dieses Jahr mit Verweis auf die verschlechterten Bedingungen in China und die Folgen des Nahost-Konflikts. Handelsblatt betont, dass die Maßnahmen ab 2028 jährliche Einsparungen von rund einer Milliarde Euro bringen sollen.
Großzügige Abfindungen: von 60.000 bis über 400.000 Euro
Obwohl BMW die genaue Formel für die Berechnung der Abfindungen noch nicht veröffentlicht hat, liefert Večernji.hr konkrete Schätzungen auf der Grundlage üblicher Modelle in Deutschland. Beispielsweise könnte ein Mitarbeiter mit einem monatlichen Bruttogehalt von 6.000 Euro und 20 Betriebsjahren nach der Formel "halbes Gehalt mal Arbeitsjahre" rund 60.000 Euro brutto erhalten. Doch bei freiwilligen Programmen bieten Unternehmen oft mehr: Ein Entwicklungsingenieur mit 15 Jahren Betriebszugehörigkeit könnte je nach Modell zwischen 50.000 und 155.000 Euro erhalten, während ein Abteilungsleiter mit 30 Jahren im Unternehmen sogar über 400.000 Euro brutto erreichen könnte.
Wenn BMW ein Monatsgehalt pro Betriebsjahr bieten würde, könnten erfahrene Fachkräfte mit 100.000 bis 300.000 Euro rechnen, und beim großzügigsten Modell würden langjährige Führungskräfte die 300.000-Euro-Grenze überschreiten. Večernji.hr erinnert daran, dass Mercedes-Benz in früheren Programmen Abfindungen von über einer halben Million Euro angeboten hat, was unterstreicht, wie sehr die großen Player ältere Mitarbeiter zum Ausscheiden bewegen wollen.
Programmkosten belaufen sich auf Hunderte Millionen Euro
Die endgültigen finanziellen Kosten hängen von der Resonanz ab, aber Večernji.hr nennt illustrative Zahlen: Würden 4.000 Mitarbeiter das Angebot bei einer durchschnittlichen Abfindung von 100.000 Euro annehmen, beliefen sich die Kosten auf rund 400 Millionen Euro, bei einem Durchschnitt von 150.000 Euro auf 600 Millionen Euro. Ähnliche Schätzungen über Hunderte Millionen Euro werden auch von deutschen Medien genannt, die betonen, dass der Break-Even-Punkt schwer abzuschätzen sei, bevor bekannt ist, wie viele Menschen eine Abfindung beantragen.
Breiterer Trend in der deutschen Autoindustrie
Der Schritt von BMW ist Teil einer Welle von Stellenabbau bei deutschen Herstellern. Porsche, ein Mitglied der Volkswagen-Gruppe, hat diese Woche den Abbau von weiteren 5.000 Stellen bis 2035 angekündigt, zusätzlich zu den 3.900 im Februar 2025 vereinbarten Kürzungen und weiteren 500 Positionen im Zusammenhang mit der Schließung von Tochtergesellschaften, insgesamt rund 9.400 Arbeitsplätze. Gleichzeitig treibt Volkswagens CEO Oliver Blume einen Plan zur Verdoppelung der geplanten Kürzungen auf 100.000 Stellen konzernweit voran, obwohl diese zusätzlichen Maßnahmen noch nicht vereinbart sind. Auch Mercedes-Benz hat ein eigenes Programm für freiwillige Abgänge durchgeführt. All dies geschieht, während die gesamte Industrie nach Wegen zur Kostensenkung sucht, im Zeitalter der teuren Umstellung auf Elektrofahrzeuge und der nachlassenden Nachfrage auf Schlüsselmärkten.