Eltern greifen oft zu Fruchtsaft in der Annahme, es sei eine gesündere Alternative zu Limonaden, doch die neuesten Daten werfen ein anderes Licht auf diese Gewohnheit. Eine Langzeitanalyse der American Heart Association (AHA), deren Ergebnisse im Fachjournal Circulation veröffentlicht wurden, deutet darauf hin, dass der regelmäßige Konsum von Fruchtsäften und zuckerhaltigen Getränken von frühester Kindheit an mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Bluthochdruck im Erwachsenenalter verbunden sein könnte.
Das Wissenschaftsteam begleitete 25.749 Teilnehmer, die zu Beginn der Studie zwischen neun und 16 Jahre alt waren, bis zu ihrem 25. Lebensjahr. In dieser Zeit dokumentierten die Teilnehmer über regelmäßige Fragebögen, wie oft sie Limonaden, Eistees, Sportgetränke, Limonaden und Fruchtsäfte konsumierten, sowie andere Lebensgewohnheiten, einschließlich körperlicher Aktivität und Rauchverhalten.
Besorgniserregende Prozentsätze: Limonade, Sportgetränke und Orangensaft unter der Lupe
Die Analyse der gesammelten Daten ergab, dass Teilnehmer, die täglich zwei oder mehr Portionen zuckerhaltiger Getränke tranken, eine um 52 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für späteren Bluthochdruck hatten als diejenigen, die solche Getränke seltener als dreimal pro Woche konsumierten. Dabei gilt eine Portion als Dose oder Glas mit 355 Millilitern.
Betrachtete man die Getränke separat, wurden die Risiken noch deutlicher. Eine tägliche Portion Limonade war mit einem um 23 Prozent erhöhten Risiko verbunden, Sportgetränke sogar mit 36 Prozent. Was Fruchtsaft betrifft, hatten Personen, die 1,5 oder mehr Portionen pro Tag tranken, eine um 35 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für Bluthochdruck im Vergleich zu denen, die weniger als einmal pro Woche Saft tranken, wobei eine Saftportion als Glas von etwa 240 Millilitern gilt.
Besonders hervor stach Orangensaft: Jede tägliche Portion war mit einem um 20 Prozent erhöhten Risiko für Bluthochdruck verbunden. Ein solcher Zusammenhang wurde bei Apfelsaft und anderen Sorten nicht festgestellt, obwohl die Autoren anmerken, dass einige Teilnehmer möglicherweise Getränke mit Orangengeschmack und zugesetztem Zucker fälschlicherweise als reinen Orangensaft kategorisiert haben.
"Die Ernährungsgewohnheiten eines Kindes können langfristige gesundheitliche Folgen haben", sagte Dr. Vasanti Malik, leitende Autorin der Studie und Expertin für Ernährung und Prävention chronischer Krankheiten. "Bluthochdruck tritt immer früher im Leben auf, mit einer wachsenden Zahl von Fällen bei jungen Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen, was die Bedeutung von Früherkennung und Prävention unterstreicht", fügte sie hinzu.
Entscheidend ist die Quelle, nicht nur die Zuckermenge
Die Autoren der Studie betonen, dass nicht nur die Gesamtmenge an Zucker oder Fruktose im Fokus stehen sollte, sondern auch das Lebensmittel, aus dem sie stammt. Die Art und Weise, wie der Körper Saft verarbeitet, unterscheidet sich erheblich von der Verdauung der ganzen Frucht.
"Wie sich auch bei Erwachsenen gezeigt hat, scheint für die Entwicklung von Bluthochdruck die Gesamtmenge an Fruktose weniger wichtig zu sein als die Art der Nahrung, aus der sie konsumiert wird. Zuckerhaltige Getränke und Fruchtsaft sind mit einem erhöhten Risiko verbunden, ganze Früchte jedoch nicht", erklärte Dr. Amit Khera, Experte der American Heart Association.
Dr. Khera fügte hinzu, dass die weit verbreitete Meinung sei, Fruktose sei schädlich, egal woher sie komme, und Fruchtsäfte seien gesund. "Diese Studie zeigt, dass beides nicht zuzutreffen scheint", betonte er.
Einfache Ersatzoptionen machen einen großen Unterschied
Die Berechnungen des Forschungsteams legen nahe, dass das Risiko für Bluthochdruck um 22 Prozent gesenkt werden könnte, wenn man nur eine tägliche Portion eines zuckerhaltigen Getränks durch ganze Früchte ersetzt. Würde man Fruchtsaft durch frisches Obst ersetzen, wäre das Risiko um 19 Prozent niedriger. Milch und Wasser erwiesen sich als gute Alternativen zu zuckerhaltigen Getränken, mit einer Risikoreduktion von bis zu 13 Prozent, dieser positive Effekt wurde jedoch nicht beobachtet, wenn sie als Ersatz für Fruchtsäfte dienten.
Die Schlussbotschaft der Experten ist nicht die vollständige Ablehnung von Säften, sondern ein Appell zur Mäßigung und zur Reduzierung der Häufigkeit. Wenn man Saft trinkt, lautet die Empfehlung, ausschließlich 100-prozentigen Fruchtsaft in begrenzten Mengen zu konsumieren, während die tägliche Ernährung von ganzen Früchten, Wasser und ungesüßten Getränken geprägt sein sollte.
Man sollte auch die Einschränkungen der Studie bedenken: Sie weist auf einen Zusammenhang hin, aber nicht auf eine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen Säften, zuckerhaltigen Getränken und Bluthochdruck. Die Informationen stützten sich auf Fragebögen und Selbstauskünfte zu Diagnosen, und die Forscher merken an, dass die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf alle Bevölkerungsgruppen übertragbar sind. Trotzdem ist das Signal für Eltern eindeutig, Ernährungsmuster, die in der frühen Kindheit erlernt werden, können Spuren hinterlassen, die weit länger anhalten, als es auf den ersten Blick scheint.