China zeigt erstmals ihren nuklearen Luftwaffenarsenal
Video zeigt Bomber H-6N mit Nuklearrakete JL-1 im Flug, ein historischer Wendepunkt in der chinesischen Nukleardoktrin.
Video zeigt Bomber H-6N mit Nuklearrakete JL-1 im Flug, ein historischer Wendepunkt in der chinesischen Nukleardoktrin.
Die Volksbefreiungsarmee Chinas (PLA) hat erstmals öffentlich den operativen Einsatz ihrer nuklearen Luftangriffsfähigkeit demonstriert. In einem am 4. August 2026 veröffentlichten Videoclip ist der strategische Bomber H-6N zu sehen, der unter dem Rumpf eine nukleare ballistische Luft-Boden-Rakete (ALBM) JL-1 trägt. Damit hat China symbolisch das letzte fehlende Element seiner nuklearen Triade geschlossen.
Das Video wurde gemeinsam von der Politischen Abteilung der Zentralen Militärkommission, der chinesischen Internetregulierungsbehörde (Cyberspace Administration of China) und dem staatlichen Medienunternehmen China Media Group veröffentlicht. Die Aufnahme zeigt eine simulierte Gefechtssituation, in der ein gemeinsames Kommando einen koordinierten Angriff auf eine feindliche Flotte ausführt.
In der Aufnahme ist zu sehen, wie der Bomber H-6N in Formation mit zwei Jägern der fünften Generation J-20 fliegt. Die Rakete JL-1, etwa 11 Meter lang, ist in einer halb eingezogenen Halterung unter dem Rumpf des Bombers montiert. Technisch handelt es sich um eine zweistufige ballistische Feststoffrakete, die vom bodengestützten Mittelstreckensystem DF-21 abgeleitet ist.
Die geschätzte operative Reichweite des JL-1 liegt zwischen 3.000 und 8.000 Kilometern, abhängig von Geschwindigkeit und Höhe des Bombers zum Zeitpunkt des Abschusses. Die Rakete nutzt fortschrittliche Trägheits- und Satellitennavigationssysteme und kann entweder manövrierfähige Wiedereintrittskörper (MaRV) oder hypersonische Gleitflugkörper (HGV) mit nuklearen oder konventionellen Sprengköpfen tragen.
Neben der JL-1 präsentierte die Videoproduktion auch andere hochmoderne Waffensysteme der chinesischen Armee. Dazu gehören das straßenmobil einsetzbare Anti-Schiffs-Ballistikraketensystem DF-21D, der schiffsgestützte hypersonische Anti-Schiffs-Marschflugkörper YJ-20 sowie der luftgestartete überschallschnelle Anti-Schiffs-Marschflugkörper YJ-12.
Obwohl das Raketensystem erstmals bei einer Parade in Peking deklassifiziert wurde, zusammen mit strategischen Nuklearplattformen wie den Interkontinentalraketen der Serien DF-31 und DF-5, ist dies das erste Mal, dass die Öffentlichkeit das System in einer realen Flugumgebung gesehen hat. Die PLA hat bisher keine weiteren operativen Details veröffentlicht, einschließlich der Frage, um welche konkrete Übung es sich handelt oder die genaue Flugzeit.
Historisch gesehen stellte das Fehlen eines nachhaltigen nuklearen Luftsystems eine erhebliche Lücke in der chinesischen nuklearen Abschreckung dar. Mit dieser Demonstration ist diese Lücke nun geschlossen, was eine wichtige Entwicklung in der globalen Sicherheitsdynamik darstellt und möglicherweise das strategische Kräftegleichgewicht verändert.