Die kroatische Nautiksaison 2026 zeigt ein zweigeteiltes Bild: Marinas mit einem höheren Anteil an Dauerliegeplätzen verzeichnen stabile Ergebnisse, während das Chartersegment unter späteren Buchungen und verstärkter Konkurrenz durch mediterrane Destinationen leidet. Nach Angaben des eCrew-Systems, das An- und Abmeldungen von Touristen im Nautikbereich erfasst, waren bis Ende Juni 2026 194.500 Gäste im Charter unterwegs, die etwas mehr als 1,1 Millionen Übernachtungen erzielten. Das sind 3 bzw. 1 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2025, und die Zahl der Bootscharterungen ist um rund 3 Prozent zurückgegangen, sagte Bernarda Renata Marević, Vorsitzende des Verbands für Nautiktourismus der Kroatischen Wirtschaftskammer (HGK), gegenüber Hina.
eCrew-Daten erfassen nicht alle Nautiker
Marević wies auf eine wichtige methodische Einschränkung bei der Interpretation dieser Daten hin. 'Damit werden zahlreiche ausländische Nautiker, die mit eigenen Booten kommen, sowie einheimische Bootsbesitzer mit Liegeplätzen in Marinas und Häfen, die regelmäßig unterwegs sind, nicht erfasst', betonte sie. Das eCrew-System bezieht sich ausschließlich auf Gäste, die auf Charterbooten untergebracht sind, daher können diese Daten nicht als Indikator für den gesamten Nautikverkehr in Kroatien verwendet werden. Ein umfassenderes Bild liefert das Ministerium für Meer, Verkehr und Infrastruktur (MMPI), dessen Daten zu Anmeldungen und Verlängerungen von Aufenthalten ausländischer Yachten und Boote einen Gesamtanstieg von rund 1 Prozent im Vergleich zu 2025 zeigen, bei einer geringeren Anzahl von Erstanmeldungen und einer höheren Anzahl von Aufenthaltsverlängerungen.
Mitteldalmatien unter stärkstem Druck, Dubrovnik kostenempfindlich
Das regionale Bild der Nautiksaison ist äußerst uneinheitlich. Ein Anstieg der Erstanmeldungen von Yachten und Booten wurde in den Gebieten Rijeka, Split und Senj verzeichnet, während Pula, Šibenik und Dubrovnik einen Rückgang bei den Erstanmeldungen verzeichneten. Marević beschrieb die Besonderheiten jeder Region: 'Die nördliche Adria stützt sich stärker auf Nautiker, die mit eigenen Booten kommen, sowie auf Dauerliegeplätze und Märkte, die mit dem Auto erreichbar sind. Mitteldalmatien hat die höchste Konzentration an Charterflotten und damit auch den stärksten Wettbewerb bei gleichzeitigem Preisdruck. Die Region Dubrovnik verzeichnet einen höheren Anteil an Nautikern aus entfernteren Märkten und Nutzern von Booten höherer Kategorie, jedoch mit einer 'Empfindlichkeit' bezüglich der Fluganbindung und der Gesamtreisekosten.'
Konkurrenz aus Griechenland und der Türkei am stärksten im Segment der Standard-Segelboote
Den Rückgang im Chartersegment betrachtet Marević nicht als dramatisch, sondern als 'leichte Abweichung' vom Vorjahr, wobei sie anmerkt, dass die Hauptsaison noch läuft und die endgültigen Ergebnisse erst nach deren Abschluss bewertet werden können. Sie warnte jedoch, dass das Chartersegment unter verstärktem Marktdruck leide, insbesondere in der Kategorie der Standard-Segelboote und Motorboote, wo das Angebot extrem groß sei und Gäste die Bedingungen leicht mit Griechenland, der Türkei und anderen Mittelmeerdestinationen vergleichen könnten. Die zahlreichsten Gäste im Charter kommen weiterhin aus Deutschland, Österreich, Kroatien, Slowenien, den USA, Tschechien, Polen und dem Vereinigten Königreich. Marević hob besonders das Wachstum des US-Marktes in der ersten Hälfte des Jahres 2026 hervor, und zwar im Segment der Yachten und Boote höherer Kategorie.
Nautiker werden immer rationaler, aber Premiumsegment hält Nachfrage
Was die Preise betrifft, erläuterte Marević, dass die regulären Preise weitgehend auf dem Niveau des Vorjahres liegen oder aufgrund gestiegener Betriebskosten leicht höher sind, die tatsächlich erzielten Preise jedoch aufgrund von Rabatten und Last-Minute-Angeboten häufig niedriger ausfallen. Dabei sei ein Trend zu rationalerem Verhalten auch bei Nautikern erkennbar: 'Sie vergleichen immer häufiger Preise, kombinieren Aufenthalte in Marinas mit Ankern und wählen Zusatzdienstleistungen sorgfältiger aus. Andererseits sind Gäste mit höherer Zahlungsbereitschaft weiterhin bereit, für Qualität, Privatsphäre, Sicherheit, exzellente Gastronomie und personalisierte Erlebnisse zu zahlen', sagte sie. Im Charter ist die Nachfrage am größten nach Segelbooten und Katamaranen für Wochencharter, während das klassische Bareboat-Segment (Charter ohne professionellen Skipper und Crew) preisempfindlich ist.
Mangel an erfahrenem Personal bleibt größte Herausforderung
Als eine der größten Herausforderungen dieser Saison nennt Marević den chronischen Mangel an qualifiziertem und erfahrenem Personal, insbesondere Skipper, Techniker, Servicekräfte und Mitarbeiter in Marinas, die die lokale Gegend kennen und Fremdsprachen sprechen. 'Die Situation ist etwas besser als in den Vorjahren, da sich die Arbeitgeber früher vorbereiten, aber die Herausforderung besteht nicht nur darin, genügend Arbeitskräfte zu finden, sondern Menschen mit der nötigen Erfahrung, Verantwortung und Arbeitsqualität', betonte sie. Sie warnte auch davor, dass Kroatien seine Wettbewerbsfähigkeit nicht allein über den Preis aufbauen könne und dass weitere Investitionen in Infrastruktur, Flottenerneuerung, grüne und digitale Transformation sowie den Schutz von Meer und Küste notwendig seien, da 'Wettbewerbsdestinationen intensiv in Flotten, Infrastruktur und verschiedene Fördermaßnahmen investieren, während die Gäste gleichzeitig anspruchsvoller und preissensibler werden'.