Die globale Biodiversitätskrise verschärft sich in einem Tempo, das selbst Wissenschaftler überrascht, und ihre Folgen machen auch vor Kroatien nicht halt. Laut einem Bericht des World Wide Fund for Nature (WWF) sind die Wildtierpopulationen seit 1970 um 68 Prozent geschrumpft. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) schätzt, dass derzeit rund eine Million Tierarten vom Aussterben bedroht sind. Die Aussterberate liegt heute 100 bis 1.000 Mal höher als die natürliche Rate, als Hauptursachen gelten Umweltverschmutzung, der Klimawandel sowie der durch menschliche Aktivitäten verursachte Verlust natürlicher Lebensräume.
Kroatiens Artenvielfalt unter Druck
Kroatien zählt zu den biologisch reichhaltigsten Ländern Europas und beherbergt besonders wertvolle Ökosysteme in der Adria und im Dinarischen Karst. Die Adria ist Heimat zahlreicher endemischer Arten, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen, während die Karstlandschaften eine einzigartige unterirdische Fauna verbergen. Genau diese Einzigartigkeit bringt eine besondere Verantwortung mit sich: Der Verlust endemischer Arten lässt sich durch keinen anderen Ort auf dem Planeten ausgleichen. Als EU-Mitglied seit 2013 ist Kroatien verpflichtet, strenge europäische Naturschutzvorschriften umzusetzen, darunter die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und die Vogelschutzrichtlinie.
Warum das den Alltag betrifft
Das Verschwinden von Tierarten ist nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein wirtschaftliches und gesundheitliches Problem. Tiere spielen eine Schlüsselrolle bei der Bestäubung von Pflanzen, der Verbreitung von Samen und dem Erhalt jener Ökosystemgleichgewichte, die uns Nahrung, saubere Luft und Wasser sichern. UNEP-Daten zufolge sind mehr als 75 Prozent der Nutzpflanzen auf Bestäuber angewiesen, allen voran Insekten und Vögel. Der Verlust dieser Arten würde die Ernährungssicherheit und die landwirtschaftliche Produktion unmittelbar gefährden, einschließlich des kroatischen Oliven-, Wein- und Gemüseanbaus.
Was getan werden kann
Fachleute und internationale Akteure, darunter WWF und UNEP, betonen, dass der Schutz der Biodiversität durch gezielte Maßnahmen möglich ist: Schutz natürlicher Lebensräume, Reduzierung der Umweltverschmutzung, nachhaltiges Fischerei- und Forstmanagement sowie die Stärkung des öffentlichen Bewusstseins. Das kroatische Ministerium für Umweltschutz und Energie ist für die Umsetzung nationaler und europäischer Artenschutzvorschriften zuständig, jedoch liegen in den verwendeten Quellen keine konkreten Daten zum Zustand einzelner Arten oder zur Wirksamkeit der Maßnahmen vor. Die Europäische Union verschärft ihren Rechtsrahmen in diesem Bereich kontinuierlich und erwartet von den Mitgliedstaaten eine immer aktivere Rolle beim Schutz des gemeinsamen Naturerbes.