US-Finanzminister Scott Bessent erklärte am Montag, dass die Vereinigten Staaten und der Iran bereits heute oder morgen ein Abkommen über die Wiedereröffnung der Straße von Hormus erzielen könnten. Diese wichtige Seeroute für den globalen Öltransport steht im Zentrum eines monatelangen Konflikts.
"Wir sind in Verhandlungen mit den Iranern und ich denke, es besteht die Möglichkeit, dass wir bereits heute oder morgen eine Einigung über die Öffnung der Meerenge und den Übergang zu einer normaleren Phase dieses Konflikts erzielen", sagte Bessent gegenüber CNBC. Er fügte hinzu, dass das Abkommen die Freiheit der Schifffahrt beinhalte, nicht die Erhebung von Gebühren für die Durchfahrt von Schiffen. "Es wird Bewegungsfreiheit sein."
Optimismus trotz Spannungen und neuem Zwischenfall
Bessents Äußerungen folgten einen Tag, nachdem Präsident Donald Trump erklärt hatte, die Meerenge könnte innerhalb von Stunden geöffnet werden, und damit von Drohungen eines massiven Militärschlags abgerückt war. Dennoch bleiben die Spannungen hoch. Am selben Tag, an dem Bessent sprach, traf ein unbekanntes Projektil ein Frachtschiff genau in der Straße von Hormus.
Trotz des Vorfalls zeigte sich Bessent optimistisch hinsichtlich der Auswirkungen eines möglichen Abkommens auf den Energiemarkt und merkte an, dass Hunderte von Schiffen auf die Durchfahrt warten. "Obwohl die Lage in den letzten Tagen weiterhin etwas unsicher ist, sehen wir bereits jetzt, dass eine große Anzahl von Schiffen ausläuft", sagte er. "Ich erwarte, dass die Energiepreise auf niedrigere Niveaus zurückkehren, was gut für die ganze Welt wäre."
Meinungsverschiedenheiten über Verhandlungen und die Rolle der Vermittler
Während Washington Fortschritte signalisiert, kommen aus dem Iran widersprüchliche Botschaften. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, bestand am Montag darauf, dass keine Verhandlungen mit den USA stattfinden, sondern nur technische Gespräche mit Oman über die Wiedereröffnung der Meerenge. Gleichzeitig bestätigte Baghaei, dass Pakistan weiterhin "Vermittler" in den Gesprächen zwischen dem Iran und den USA sei.
Pakistan intensivierte am Montag seine diplomatischen Bemühungen. Außenminister Ishaq Dar rief seinen iranischen Amtskollegen Abbas Araghchi dazu auf, "so bald wie möglich Pakistan zu besuchen". Der Vorsitzende der Nationalversammlung, Ayaz Sadiq, richtete eine ähnliche Einladung an den iranischen Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf.
Neben Pakistan spielt auch Katar eine wichtige Vermittlerrolle. Ein Sprecher des katarischen Außenministeriums erklärte, die Vermittler koordinierten ihre Bemühungen eng, um die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zu erleichtern und Abkommensentwürfe auszutauschen, und äußerte die Hoffnung, dass der normale Zustand in der Straße von Hormus "so bald wie möglich" wiederhergestellt werde.
Fragile Grundlagen der Waffenruhe und fehlende Strategie
Der Krieg, den die USA und Israel am 28. Februar 2026 begonnen hatten, war von einer Reihe gescheiterter Deeskalationsversuche geprägt. Im April fanden in Islamabad die ersten direkten Verhandlungen zwischen den beiden Seiten seit Jahrzehnten statt, gefolgt von der Unterzeichnung des Islamabader Memorandum of Understanding (MoU) im Juni. Doch jede Einigung scheiterte schnell, und Waffenruhen hielten nur wenige Tage, bevor es zu neuen Angriffswellen und der US-Marineblockade iranischer Häfen kam.
Der ehemalige pakistanische Botschafter im Iran, Asif Durrani, beschrieb das MoU als "Grundlagendokument" und nicht als totes Papier. "Pakistan konnte nur erleichtern, und das tat es aufrichtig, und diese Aufrichtigkeit wurde international anerkannt", sagte er gegenüber Al Jazeera.
Analysten weisen jedoch auf tiefere Probleme hin. Grace Wermenbol, ehemalige US-Beamtin für nationale Sicherheit, ist der Ansicht, dass "der anhaltende, sich wiederholende Konflikt das Vertrauen untergraben hat, das für eine längerfristige Waffenruhe notwendig ist". Noch deutlicher wird Professor Mehran Kamrava von der Georgetown University in Katar: "Die Vereinigten Staaten haben keine Ausstiegsstrategie, keine klaren Ziele und kein Gefühl dafür, was das Endziel ist oder sein sollte, und sie verschieben ständig die Ziele."
Kamrava argumentiert, dass die Quelle der Unnachgiebigkeit genau darin liegt, nicht im Scheitern der Vermittlung. Auf der anderen Seite ist der Teheraner Analyst Seyed Mojtaba Jalalzadeh der Ansicht, dass die wiederholten Misserfolge die Rolle Pakistans "von einem Vermittler, der den Konflikt lösen kann, zu einem Facilitator mit Zugang zu den Parteien" reduziert haben. Er warnt auch davor, dass "wenn Pakistan mehr verspricht, als es halten kann, sein Reputationskapital langfristig erodieren wird".
Trumps Rhetorik: Taktik oder Chaos?
Präsident Trump hat das Bild zusätzlich verkompliziert, indem er die Führung in Teheran beschuldigte, "unglaublich doppelzüngig" zu sein, und dem Iran mitteilte, dies sei seine "letzte Chance" für ein "gutes Dokument", bevor er sich einem "Deal oder der vollständigen Kapitulation" gegenübersehe.
Analysten sind sich über die Natur von Trumps Rhetorik uneinig. Jalalzadeh beschreibt sie als Versuch, "ein Gefühl der Dringlichkeit zu erzeugen und dem Iran Kosten aufzuerlegen", also als "Absichtserklärung und Verhandlungstaktik". Kamrava hingegen hält Trumps Äußerungen für schlicht inkonsistent. "Was wir von Donald Trump gesehen haben, sind wechselhafte Aussagen und Positionen, und was auffällig fehlt, ist Konsistenz", sagte er. "Aus gemischten Botschaften ergibt sich keine Verhandlungstaktik. Sie spiegeln das Fehlen einer Strategie wider."