Dänemark hat seit Montag, dem 3. August 2026, die Dauer des verpflichtenden Wehrdienstes offiziell von bisher vier Monaten auf ganze 11 Monate verlängert. Die erste Generation von etwa 1600 Rekrutinnen und Rekruten hat ihre Ausbildung im Militärstützpunkt Oksbøl im Westen des Landes begonnen, womit die bereits 2024 getroffene Entscheidung als direkte Folge der russischen Invasion in der Ukraine in Kraft getreten ist.
Oberst Michael Villumsen ließ keinen Zweifel an den Gründen für diesen Schritt. "Schauen Sie nach Osten. Muss ich mehr sagen? Natürlich geht es um die Sicherheitslage in Bezug auf Russland und was es tun könnte, wenn die NATO nicht reagiert", erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Heute ergreift die NATO Maßnahmen, und der dänische Beitrag ist genau die schnelle Stärkung unserer Kampfbereitschaft durch Rekrutierung", fügte er hinzu.
Mehr Rekruten, mehr Frauen und neue Fähigkeiten
Die Reform bringt nicht nur eine längere Dienstzeit. Dänemark hat zum ersten Mal in der Geschichte auch Frauen in die Wehrpflicht einbezogen, die in diesem Jahr etwa 20 Prozent der neuen Rekruten ausmachen. Darüber hinaus ist eine deutliche Erhöhung der Gesamtzahl der Rekruten von derzeit 5000 auf 7500 pro Jahr bis 2033 geplant.
Auch die Struktur des Dienstes wurde geändert. Nach Angaben von Quellen dauert die Grundausbildung zwischen drei und fünf Monaten und konzentriert sich auf grundlegende militärische Fähigkeiten wie Waffenhandhabung, Erste Hilfe und körperliche Fitness. Der finnische öffentliche Rundfunk YLE berichtet, dass auf die fünfmonatige Grundausbildung sechs Monate operativer Dienst folgen. Die Rekruten werden auch für neue Spezialisierungen ausgebildet, einschließlich Drohnensteuerung und Überwachung.
Botschaft aus Grönland und NATO-Gipfel
Die verstärkte Ausbildung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Dänemark plant, seine Rekruten nach Grönland zu schicken, einem autonomen Gebiet unter der dänischen Krone. Laut YLE werden später in diesem Monat mehr als 100 Soldaten für einen Monat auf die Insel entsandt, um operative Aufgaben von Berufssoldaten zu übernehmen.
Diese Entscheidung hat zusätzliches politisches Gewicht, da der amerikanische Präsident Donald Trump wiederholt den Wunsch geäußert hat, Grönland den USA anzugliedern, was sowohl die dänische als auch die grönländische Regierung entschieden abgelehnt haben. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erklärte im Juli 2026 auf dem NATO-Gipfel in Ankara, dass Dänemark bereit sei, jeden Zentimeter des Territoriums des Bündnisses zu verteidigen, "einschließlich unseres eigenen".
In Dänemark ist der Wehrdienst weiterhin überwiegend freiwillig. Junge Menschen melden sich zunächst als Freiwillige, und erst wenn die Quote nicht erfüllt wird, wird der Rest per Los ausgewählt.