Kroatien sieht sich mit rekordniedrigen Wasserständen seiner größten Flüsse konfrontiert. Aufgrund der anhaltenden Hitzewelle und ausbleibender Niederschläge wurde die Drau bei Osijek heute Morgen mit 178 Zentimetern im Minus gemessen, was zwei bis drei Meter weniger im Vergleich zum gleichen Zeitraum der Vorjahre bedeutet, berichtete die HTV-Reporterin Marina Gantar unter Berufung auf Daten von Hrvatske vode.
Nach Angaben des Staatlichen Hydrometeorologischen Instituts (DHMZ) ist die Lage an anderen Messstationen noch alarmierender. Die Donau bei Batina fiel heute Morgen auf -143 Zentimeter, während der Wasserstand der Save in Zagreb -297 Zentimeter betrug. Diese Zahlen bedeuten nicht, dass das Wasser verschwunden ist, sondern zeigen, wie viel die Flussoberfläche unter dem festgelegten Nullpunkt der jeweiligen Station liegt.
Ein Fall, der seit Wochen anhält
Der niedrige Wasserstand ist keine Überraschung. Die Donau wurde bei Batina bereits am 19. Juli 2026 mit -108 Zentimetern gemessen, was damals der niedrigste Stand seit Beginn der Messungen dort war. Der Rückgang setzte sich fort, sodass das DHMZ am 3. August einen neuen Rekord von -142 Zentimetern veröffentlichte. Neue Tiefststände wurden auch flussabwärts in Dalj, Vukovar und Ilok verzeichnet.
Die Drau erreichte ihr historisches Minimum am 1. August 2026, als sie bei Osijek auf -192 Zentimeter fiel, was 20 Zentimeter unter dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2022 liegt. Das DHMZ gibt an, dass die Donau bei Batina in diesem Jahr sogar 142 Tage unter dem Niveau verbrachte, das als extrem niedriger Wasserstand gilt.
Folgen für Ökosystem und Menschen
"Die Lage ist ernst. Aufgrund der Kombination aus anhaltend hohen Temperaturen und fehlenden Niederschlägen sind einzelne Kanäle und Teile der Wasserläufe bereits ausgetrocknet", erklärte Mario Spajić, stellvertretender Direktor der Abteilung für Wasserwirtschaft für Donau und untere Drau bei Hrvatske vode.
Spajić warnt vor einem breiten Spektrum an Folgen. "Das hat Auswirkungen auf Pflanzen- und Tierwelt, Grundwasser, Landwirtschaft, Mikroklima... Kein Extrem ist gut, weder wenn der Wasserstand extrem hoch noch wenn er extrem niedrig ist", betonte er. Reporterin Gantar fügt hinzu, dass hohe Lufttemperaturen auch zu hohen Wassertemperaturen führen, was das gesamte Ökosystem direkt beeinflusst, und ein geringerer Wasserdurchfluss erschwert auch die Schifffahrtswege.
Der niedrige Wasserstand bei Ilok hat große Sandbänke freigelegt, und Luftaufnahmen zeigen, wie stark sich das Wasser aus den flacheren Teilen des Flussbetts zurückgezogen hat. Hrvatske vode warnt die Bürger, dass das Begehen dieser Sandbänke nicht sicher ist, und führt verstärkte Kontrollen durch. Es werden auch zahlreiche Warnungen und Einschränkungen entlang der Drau und Donau herausgegeben.
Was ist die Ursache und was kommt als Nächstes?
Die Hauptgründe für diese Situation sind anhaltender Regenmangel, hohe Temperaturen und Schneemangel in den Alpen, deren Schmelze normalerweise im Frühjahr und Frühsommer die Donau und Drau speist. Laut Marina Gantar sind angesichts der verfügbaren Wettervorhersagen in der kommenden Zeit keine signifikanten Änderungen der Wasserstände zu erwarten. Um die Situation zu verbessern, sind ergiebigere Regenfälle in den gesamten Einzugsgebieten in ganz Europa erforderlich.
Hinweis zu den Daten: Für den Wasserstand der Drau bei Osijek gibt es heute Morgen zwei Messungen. Das DHMZ verzeichnet -177 Zentimeter, während Hrvatske vode -178 Zentimeter angibt. Der Unterschied ist höchstwahrscheinlich auf unterschiedliche Ablesezeiten oder Rundungen zurückzuführen.