Der Klimawandel ist keine ferne Bedrohung mehr, sondern eine Realität, die bereits jetzt die kroatische Wirtschaft ernsthaft gefährdet. Diese Warnung stammt von Marija Šćulac, Vizepräsidentin der Kroatischen Wirtschaftskammer (HGK), die im Gespräch mit dem Dnevnik des kroatischen Fernsehens (HTV) betonte, dass Kroatien laut Schätzungen der Weltbank jährlich zusätzlich 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für eine erfolgreiche Anpassung aufwenden müsste.
Diese Beträge sind enorm, doch Šćulac betont, dass die Kosten des Nichthandelns noch höher sein könnten. Auf europäischer Ebene wird geschätzt, dass die jährlichen Schäden durch Dürre bis zu 126 Milliarden Euro erreichen könnten, und Kroatien zählt zu den Ländern, die am stärksten von Klimarisiken betroffen sind.
Kein Sektor bleibt verschont
Die Vizepräsidentin der HGK warnte, dass es praktisch keinen Teil der Wirtschaft gibt, der nicht vom Klimawandel betroffen ist. Die Landwirtschaft sieht sich bereits mit den Folgen extremer Temperaturen und Dürren konfrontiert, während sich der Tourismus an neue Gästegewohnheiten anpassen muss. Statt der Sommermonate werden Touristen zunehmend weniger warme Jahreszeiten wählen, was bedeutet, dass der Tourismussektor die Saison verlängern und seine Geschäftsmodelle anpassen muss.
Auch das Bauwesen wird neue Wege der Arbeitsorganisation bei extremer Hitze finden müssen, während Logistik und Verkehr bereits die Folgen niedriger Wasserstände spüren. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Energiesektor, in dem Kroatien den Transformationsprozess drastisch beschleunigen muss.
Schlüsselprojekt: Modernisierung des Stromnetzes
Nach den Worten von Šćulac umfasst die Energiewende nicht nur den Bau neuer Solar- und Windkraftanlagen, sondern eine umfassendere Transformation des gesamten Systems. Kroatien benötigt ein starkes und modernes Stromnetz, das die wachsende Zahl erneuerbarer Energiequellen aufnehmen kann.
Eine wichtige Rolle werden dabei auch Batteriespeichersysteme spielen, die in Zeiten hoher Produktion Energie speichern und bei Bedarf ins Netz zurückspeisen können.
"Die Modernisierung und der Ausbau des Stromnetzes ist das zentrale, größte und wichtigste Infrastrukturprojekt der kroatischen Energiewende", schloss Marija Šćulac im Dnevnik des HTV.
Die beschleunigte Modernisierung des Netzes ist nicht nur eine Frage der Energieeffizienz, sondern auch ein notwendiger Schritt, um Versorgungsprobleme, steigende Kosten und schwerwiegende wirtschaftliche Störungen zu vermeiden, die drohen, wenn nicht rechtzeitig reagiert wird.