Der schwere Zusammenstoß zwischen einem Güter- und einem Personenzug bei Sveti Ivan Žabno hat Dragan Marčinko, den Direktor von HŽ Cargo, in den Vordergrund gerückt. Das Unternehmen befindet sich zu 100 Prozent im Besitz der Republik Kroatien, und Marčinko übt diese Funktion seit 2020 aus. Er berichtet direkt an Minister Oleg Butković, den Vertreter des Staates in der Gesellschaftsversammlung.
Von ENNA zum staatlichen Betreiber
Ein Detail aus Marčinkos beruflicher Laufbahn sticht besonders hervor. Bevor er an die Spitze des staatlichen Eisenbahnverkehrsunternehmens trat, arbeitete er in der ENNA-Gruppe, einem Geschäftssystem, das um die Erste Gasgesellschaft von Pavle Vujnovac entstanden ist, und leitete anschließend Petrokemija.
Genau ENNA hält heute in ihrem Portfolio ENNA Transport, einen der größten privaten Konkurrenten von HŽ Cargo. Das Unternehmen hieß früher PPD Transport und wurde vom Ministerium für auswärtige und europäische Angelegenheiten bereits 2017 als erster kroatischer privater Eisenbahnfrachtbetreiber und Mitglied von Energia Naturalis, also der ENNA-Gruppe, beschrieben.
Konkurrent mit einem Fünftel des Marktes
ENNA Transport kontrolliert heute mehr als 20 Prozent Marktanteil in Kroatien, also mehr als ein Fünftel. Mit anderen Worten: Marčinko war vor seiner Ernennung zum Chef von HŽ Cargo in einer Geschäftsgruppe beschäftigt, die den privaten Konkurrenten des staatlichen Betreibers hervorgebracht hat.
HŽ Cargo betont auf seiner offiziellen Website, dass seine Haupttätigkeit der Gütertransport, einschließlich gefährlicher Stoffe, ist und dass das Ziel darin besteht, diesen Transport "zuverlässig" und "sicher" durchzuführen. Nach dem Zusammenstoß bei Sveti Ivan Žabno wird die Sicherheitsfrage entscheidend: Wenn festgestellt wird, dass der Güterzug ein rotes Signal überfahren hat, muss die Untersuchung klären, warum er nicht angehalten hat und ob technische und organisatorische Mechanismen den Unfall hätten verhindern können.
Unangenehme Personalfrage
Der Wechsel von Managern zwischen konkurrierenden Unternehmen ist für sich genommen kein Beweis für Unregelmäßigkeiten. Diese Tatsache wird jedoch relevant, wenn es um eine Person geht, die den größten staatlichen Eisenbahngüterverkehrsbetreiber leitet. Sollte sich herausstellen, dass es sich nicht nur um einen persönlichen Fehler des Lokführers handelt, sondern auch um ein systemisches Versagen, wird die Verantwortung sicherlich auch auf der Managementebene gesucht.
Für die Regierung von Andrej Plenković und Minister Oleg Butković bleibt die unangenehme Frage: Warum wurde an die Spitze von HŽ Cargo ein Manager gesetzt, der unmittelbar zuvor in dem Geschäftssystem eines privaten Konkurrenten gearbeitet hat? Eine solche Karriere beweist weder eine bevorzugte Behandlung noch einen Interessenkonflikt, aber bei ernsthaften Problemen in HŽ Cargo wirft sie berechtigterweise die Frage auf, nach welchen Kriterien der Staat die Geschäftsführung ausgewählt hat und ob er dabei die Interessen seines eigenen Unternehmens ausreichend geschützt hat.