Adria versinkt im Plastik: 2.000 Tonnen Abfall, Mikroplastik in 90 % des Salzes
Verschmutzung, Überfischung und Tourismusdruck bedrohen eines der am stärksten gegliederten Meere der Welt, nur 5 % des Hoheitsgewässers sind geschützt.
Verschmutzung, Überfischung und Tourismusdruck bedrohen eines der am stärksten gegliederten Meere der Welt, nur 5 % des Hoheitsgewässers sind geschützt.
Die Adria, der nördlichste Golf des Mittelmeers, steht vor wachsenden ökologischen Herausforderungen, die ihre Biodiversität und ihren wirtschaftlichen Wert bedrohen. Die kroatische Küste erstreckt sich über 1.777 Kilometer mit 1.246 Inseln und zählt zu den am stärksten gegliederten der Welt, doch genau diese Schönheit zieht Belastungen an, die immer schwerer zu kontrollieren sind.
Nach verfügbaren Daten treiben mehr als 2.000 Tonnen Plastikmüll in der Adria, und Mikroplastik wurde in 90 % der Meersalzproben nachgewiesen. Verschmutzung vom Festland, einschließlich landwirtschaftlicher Abflüsse und kommunaler Abwässer, ist die Hauptursache für Eutrophierung und Algenblüten in den Küstengewässern.
Die kroatische Fischerei fängt jährlich etwa 50.000 Tonnen Fisch, wobei Sardellen, Sardinen und Seehecht dominieren. Die Bestände gehen aufgrund von Überfischung und Klimawandel zurück, der in den letzten 20 Jahren die Meerestemperatur um 0,5 Grad Celsius erhöht und den Säuregehalt gesteigert hat. Dies bedroht direkt Korallenriffe und Fischpopulationen.
Der Tourismus, der über 20 % des kroatischen BIP generiert, bringt im Sommer mehr als 20 Millionen Besucher an die Küste. Dieser Druck belastet das Meeresökosystem zusätzlich, insbesondere neben traditionellen Aktivitäten wie Schifffahrt und Seeverkehr. Rijeka ist der größte kroatische Hafen, und Dubrovnik verzeichnete vor der Pandemie über 600 Kreuzfahrtschiffe pro Jahr.
In der Adria leben mehr als 7.000 Pflanzen- und Tierarten, darunter geschützte wie der Große Tümmler und die Unechte Karettschildkröte. Kroatien hat 2021 fünf geschützte Meeresgebiete im Rahmen des Natura-2000-Netzwerks ausgewiesen, doch nur fünf Prozent des Hoheitsgewässers genießen eine Form von Schutz.
Die Aquakultur, insbesondere die Aufzucht von Wolfsbarsch und Goldbrasse, verzeichnet ein Wachstum, verursacht jedoch Probleme mit Abfall und Antibiotika. Experten warnen, dass eine umfassende Meersschutzstrategie fehlt, die wirtschaftliche Interessen und den Erhalt des Ökosystems in Einklang bringt.