Die Ukraine sieht sich einem drastischen Rückgang der Lieferungen wichtiger Flugabwehrraketen gegenüber. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am Mittwoch, dass die Verbündeten im Jahr 2026 nur ein Drittel der Interceptoren im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2025 geliefert haben. "Und das ist nicht nur ein Sommerphänomen - das gilt für jeden Zeitraum der ersten Hälfte 2026", schrieb Selenskyj auf der Plattform Telegram.
Diese besorgniserregende Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Russland seine Raketenangriffe auf ukrainische Städte intensiviert. Allein im Juli wurde Kiew durchschnittlich alle drei Tage angegriffen, und der Druck setzt sich im August fort.
Fehlgeschlagene Abfangversuche und neue Phase des Krieges
Der akute Mangel an amerikanischen Patriot-Interceptoren, die in der Lage sind, russische ballistische Raketen abzufangen, ist in den letzten Wochen besonders deutlich geworden. Bei dem Angriff am Mittwoch, dem 5. August 2026, gelang es den ukrainischen Luftverteidigungskräften nicht, eine der 24 abgefeuerten ballistischen Raketen abzufangen, ebenso wenig wie vier Marschflugkörper vom Typ Zircon.
Serhii Beskrestnov, Berater des ukrainischen Präsidenten für die Entwicklung von Verteidigungstechnologie, schätzte, dass Russland in der Lage ist, monatlich 100 ballistische Raketen abzufeuern und dabei logistische Zentren, Industrieanlagen sowie Lagerhäuser für Lebensmittel und Baumaterialien ins Visier nimmt. "Der Abnutzungskrieg ist in seine nächste Phase eingetreten", so Beskrestnov über Telegram.
Rückkehr nordkoreanischer Raketen
Neben den eigenen Kapazitäten wendet sich Moskau wieder Raketen aus Nordkorea zu. Nach Angaben ukrainischer Militärgeheimdienste haben russische Streitkräfte in der vergangenen Woche die ersten beiden nordkoreanischen Raketen seit August 2025 abgefeuert. Es wird auch berichtet, dass eine nordkoreanische Raketeneinheit in Westrussland stationiert wird und mit 120 ballistischen Raketen und sechs Werfern ausgestattet sein könnte.
Während die weltweiten Vorräte an Interceptoren begrenzt sind und politische Unruhen die Kontinuität der Versorgung beeinträchtigen, sehen einige Militäranalysten das Zielen auf russische Raketenwerfer als mögliche Gegenmaßnahme. Die derzeitigen ukrainischen Fähigkeiten erlauben jedoch keine solchen Angriffe mit großer Reichweite. Kiew übt daher Druck auf die Verbündeten aus, ein paneuropäisches Raketenabwehrsystem zu entwickeln, und hat von den USA auch eine Lizenz zur eigenen Produktion von Patriot-Raketen beantragt.