Die gerade abgeschlossene zweiwöchige internationale Höhlenforschungsexpedition im Nördlichen Velebit bringt beunruhigende Nachrichten: Das jahrhundertealte Eis in tiefen Schächten, das zwischen 400 und 3000 Jahre alt ist, zieht sich rapide zurück, und an einigen Standorten ist es vollständig verschwunden. Diese Befunde, die am Montag, dem 10. August 2026, vom Höhlenforschungsausschuss des PDS Velebit und der Kommission für Höhlenforschung des Kroatischen Bergsteigerverbands veröffentlicht wurden, werfen ein neues Licht auf die tiefgreifenden Auswirkungen des Klimawandels in den kältesten Regionen Kroatiens.
Die Expedition wurde von Ema Buljan und Olga Jerković Perić geleitet, mit logistischer Unterstützung des Nationalparks Nördlicher Velebit. Obwohl diese Gegend im Sommer weiterhin zu den kältesten Orten des Landes zählt, zeigen die Untersuchungen, dass die Oberflächenkälte nicht mehr ausreicht, um die unterirdischen Eisformationen zu schützen.
Eisige Oberfläche, Schmelzen in der Tiefe
Die während der Expedition gesammelten Daten zeigen, dass die Winter im Nördlichen Velebit weiterhin extrem streng sind; im vergangenen Jahr fiel die tiefste Temperatur an einem der untersuchten Standorte auf etwa minus 22 Grad Celsius. Die Stärke dieser mikroklimatischen Bedingungen ist so ausgeprägt, dass kalte Luft, die im Sommer aus einzelnen Schächten strömt, dazu führt, dass Schnee an einigen Stellen der Hajdučki kukovi sogar bis in den August liegen bleibt. "Das zeigt, wie besonders die mikroklimatischen Bedingungen des Nördlichen Velebit sind", betonten die Mitglieder des Höhlenforschungsausschusses des PDS Velebit und der Kommission für Höhlenforschung des Kroatischen Bergsteigerverbands. Doch trotzdem sendet der Untergrund alarmierende Signale.
Wichtigster Befund: Absinken des Eispegels und vollständiges Verschwinden
Dalibor Paar, Wissenschaftler an der Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät in Zagreb, präsentierte den wichtigsten Befund der Expedition: "In einzelnen Schächten verzeichnen wir ein stärkeres Absinken des Pegels des permanenten Eises, und an manchen Stellen auch sein vollständiges Verschwinden." Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Wärme langfristig in das unterirdische Karstsystem eindringt, trotz günstiger Bedingungen an der Oberfläche.
Die Expedition umfasste 33 Höhlenobjekte mit einer Gesamttiefe von etwa 1100 Metern. Am internationalen Team beteiligten sich 51 Höhlenforscher aus zehn Vereinen aus Kroatien, Österreich, den USA, Portugal und Bosnien und Herzegowina. Neben der Dokumentation des Eiszustands wurden Veränderungen der mikroklimatischen Bedingungen sowie die Verbindung zwischen tiefem Untergrund und Oberflächenökosystemen untersucht, wie die Co-Leiterin Ema Buljan hervorhob.
Die Organisatoren betonen, dass die gesammelten Daten zu einem besseren Verständnis der Auswirkungen des Klimawandels auf die unter- und überirdischen Ökosysteme des Nationalparks beitragen werden und für die Vorbereitung von Bildungsinhalten über die Naturwerte Kroatiens verwendet werden. Das dreitausend Jahre alte Eis verschwindet unwiderruflich vor den Augen der Forscher und lässt uns mit der Frage zurück, wie viele solcher Naturphänomene noch überleben werden.