Im historischen Zuhause der Marke Bugatti im französischen Molsheim, im Herzen des Elsass, hat der kroatische Unternehmer Mate Rimac ein neues Kapitel aufgeschlagen. Mit der Einweihung des Werks namens "La Manufacture" hat das Unternehmen Bugatti Rimac unter seiner Führung symbolisch die Ära des Nachfolgers des Chiron eingeläutet, des spektakulären Hybrid-Hypercars Tourbillon.
Die Eröffnungsfeier versammelte Vertreter des französischen Staates, lokaler Institutionen und Geschäftspartner. Die Veranstaltung war nicht nur eine Feier des neuen Gebäudes, sondern auch eine eindrucksvolle Demonstration einer Vision, die jahrhundertealte Automobil-Tradition mit Zukunftstechnologie verbindet.
Ein Werk voller Tradition: 3.245 Quadratmeter für Präzision
Das neue Gebäude La Manufacture, in weniger als einem Jahr fertiggestellt, erstreckt sich über 3.245 Quadratmeter. Es ist 135 Meter lang und 25 Meter breit. Seine Architektur mit niedriger Form, dezenten dunklen Wänden und großen Glasflächen ist darauf ausgelegt, die umliegende Landschaft des Anwesens Château Saint Jean zu respektieren und natürliches Licht in den Produktionsraum zu bringen.
Dieses Werk ersetzt nicht das bestehende Atelier, sondern soll die technisch anspruchsvollsten Phasen der Tourbillon-Produktion übernehmen. Dazu gehören die Vormontage von Exterieur und Interieur, strenge Qualitätskontrollen sowie hochspezialisierte Prozesse wie Polieren und Lackieren. Das intelligente Layout ermöglicht einen logischen Produktionsfluss, bei dem die Autos nahtlos vom neuen Werk ins historische Atelier zur Endmontage übergehen.
Kapazität steigt auf 200 Fahrzeuge pro Jahr
Diese Arbeitsteilung wird eine deutliche Erhöhung der Produktionskapazität ermöglichen. Mit dem neuen Werk kann Bugatti Rimac bis zu 200 Fahrzeuge pro Jahr produzieren. Das ist ein drastischer Sprung im Vergleich zu den rund siebzig Exemplaren des Chiron, die auf dem Höhepunkt seiner Produktion gebaut wurden.
In der gesamten Geschichte spielt auch die Gießerei von Mate Rimac eine bedeutende Rolle, die mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt und eine Schlüsselrolle in der Wertschöpfungskette dieser exklusiven Autos spielt.
Tourbillon: V16-Motor und 1.800 PS ohne digitale Bildschirme
Das Herzstück der neuen Manufaktur ist der Tourbillon, der im Juni 2024 vorgestellt wurde. Als erster Bugatti seit mehr als zwei Jahrzehnten, der nicht von einem W16-Motor angetrieben wird, bricht er auch mit der Tradition, Modelle nach legendären Fahrern zu benennen. Der Name stammt aus der Welt der Uhrmacherei, wo der Tourbillon ein Meisterwerk der Präzision darstellt.
"Die Aussprüche von Ettore Bugatti 'Wenn es vergleichbar ist, ist es kein Bugatti' und 'Nichts ist zu schön' waren für mich persönlich sowie für die Design- und Ingenieurteams, die die nächste aufregende Ära in der Geschichte der Bugatti-Hypercars schaffen wollten, ein Leitfaden", betonte Mate Rimac, Gründer und Geschäftsführer von Bugatti Rimac.
Der Antriebsstrang besteht aus einem monumentalen, atmosphärischen 8,3-Liter-V16-Motor, der in Zusammenarbeit mit Cosworth entwickelt wurde. Der Motor selbst leistet 1.000 PS, dreht bis zu 9.000 Umdrehungen pro Minute und wiegt nur 252 kg. Er ist mit drei Elektromotoren gekoppelt, die weitere 800 PS hinzufügen und die Gesamtleistung des Systems auf beeindruckende 1.800 PS heben. Trotz des Hybrid-Antriebs ist der Tourbillon leichter als sein Vorgänger Chiron.
Die Leistungsdaten entsprechen den Zahlen: 0 auf 100 km/h in 2,0 Sekunden, 0 auf 200 km/h in weniger als 5 Sekunden und 0 auf 300 km/h in weniger als 10 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 445 km/h.
Der Innenraum ist der zeitlosen Mechanik gewidmet. Statt digitaler Bildschirme erwartet den Fahrer ein analoges Juwel, ein Armaturenbrett aus mehr als 600 Teilen, gefertigt aus Titan, Saphir und Rubin. Die gesamte Baugruppe wiegt nur 700 Gramm und ist fest montiert, während sich der Lenkradkranz darum dreht. Ein digitales Display ist versteckt und fährt nur bei Bedarf aus.
Bis zum Ende des Jahrzehnts ausverkauft
Die Eröffnung des Werks ist die Krönung strategischer Schritte, seit Rimac die operative Leitung von Bugatti übernommen hat. Die Rimac Group hat die vollständige Kontrolle über Bugatti Rimac übernommen, indem sie den Anteil von Porsche zurückkaufte, was seine Schlüsselrolle in der Zukunft luxuriöser Hypercars bestätigt.
Der Markt hat die neue Ära begeistert aufgenommen. Alle 250 geplanten Exemplare des Tourbillon, dessen Grundpreis ohne Steuern 3,8 Millionen Euro beträgt, sind bereits vor Produktionsbeginn ausverkauft. Das Auftragsbuch ist bis zum Ende dieses Jahrzehnts gefüllt.
Schatten auf den Erfolg: Robotaxi-Projekt in Kroatien verzögert sich
Während Bugatti Rimac auf der globalen Bühne Erfolge feiert, sieht sich das Robotaxi-Projekt in Kroatien, das mehrere zehn Millionen Euro wert ist, mit Problemen konfrontiert. Aufgrund von Verzögerungen in der Entwicklung müssen 89 Millionen Euro aus EU-Mitteln zurückgezahlt werden, was einen Schatten auf den ansonsten beeindruckenden technologischen Durchbruch des kroatischen Unternehmers wirft.