Öl billiger als 2013, Sprit teurer
Eine Analyse historischer Preise zeigt: Autofahrer zahlen heute mehr für Benzin und Diesel als vor 13 Jahren, obwohl der Brent-Ölpreis gesunken ist und der Staat die Verbrauchssteuern gesenkt hat.
Eine Analyse historischer Preise zeigt: Autofahrer zahlen heute mehr für Benzin und Diesel als vor 13 Jahren, obwohl der Brent-Ölpreis gesunken ist und der Staat die Verbrauchssteuern gesenkt hat.
Steigt der Rohölpreis, lässt die Erklärung für teureren Sprit an den Tankstellen nicht lange auf sich warten. Historische Daten zeigen jedoch, dass die Preise an den Zapfsäulen nicht im gleichen Tempo sinken, wenn das Öl billiger wird. Eine Analyse, die Dubravko Kolarić für autostart.24sata.hr durchgeführt hat, deckt auf, wie sich das Verhältnis zwischen Barrel und Liter in den letzten 13 Jahren verändert hat.
Ein Vergleich der Daten der Europäischen Kommission für das Jahr 2013 mit dem heutigen Stand ergibt ein kontraintuitives Bild. Damals lag der durchschnittliche Preis für ein Barrel Brent-Öl bei stolzen 108,56 Dollar. Trotzdem zahlten Autofahrer in Kroatien für Eurosuper 95 etwa 1,37 Euro pro Liter und für Diesel ungefähr 1,30 Euro.
Heute, so die Daten der Analyse, kostet ein Barrel Brent etwa 85 Dollar. Der Basisbenzinpreis erreichte 1,56 Euro, während der Dieselpreis auf etwa 1,71 Euro pro Liter stieg. Obwohl das Rohöl also um mehr als 20 Dollar billiger geworden ist, ist der Sprit deutlich teurer.
Daten über einen längeren Zeitraum verdeutlichen dieses Missverhältnis zusätzlich. Im Jahr 2016, als Brent im Schnitt nur 43,64 Dollar wert war, wurde Benzin in Kroatien für etwa 1,18 Euro verkauft, Diesel für 1,07 Euro. Drei Jahre später, 2019, bei einem Brent-Preis von 64,30 Dollar, erreichte Benzin 1,34 Euro und Diesel 1,32 Euro.
Das Pandemiejahr 2020 brachte einen Rückgang des Brent-Preises auf 41,96 Dollar und einen Benzinpreis von etwa 1,20 Euro. Doch der Energieschock 2022, mit Brent bei 100,93 Dollar, trieb Benzin auf 1,60 Euro und Diesel auf einen Rekordwert von 1,76 Euro. Obwohl sich der Markt danach beruhigte, blieben die Preise hoch: 2024, bei einem Brent-Preis von 80,52 Dollar, kostete Benzin 1,54 Euro, und 2025, bei Brent von 69,14 Dollar, lag der Benzinpreis immer noch bei 1,49 Euro.
Die naheliegende Frage ist, ob höhere staatliche Abgaben für den Preisanstieg verantwortlich sind. Die Daten sprechen dagegen. Nach Angaben der Regierung liegt die Verbrauchssteuer auf Benzin heute etwa neun Cent pro Liter niedriger als vor der Energiekrise. Bei Diesel beträgt die Senkung etwa sieben Cent. Die Mehrwertsteuer beträgt weiterhin 25 Prozent, wie schon 2013.
Die Antwort auf die Frage, wo der Unterschied entsteht, wird klarer, wenn man aus dem Einzelhandelspreis alle Abgaben herausrechnet. Der Preis für einen Liter Benzin ohne Mehrwertsteuer und Verbrauchssteuer betrug 2013 etwa 0,66 Euro. 2016 fiel er auf nur 0,43 Euro, 2019 lag er bei 0,55 Euro. Im Jahr 2024 stieg dieser Posten jedoch auf 0,75 Euro und erreichte im ersten Teil 2026 ein Niveau von etwa 0,81 Euro pro Liter.
Bei Diesel ist der Anstieg noch dramatischer. Während der Preis ohne Steuern 2013 bei etwa 0,70 Euro lag, näherte er sich 2026 der Marke von einem Euro pro Liter. Genau dieser Bereich, der Beschaffung, Verarbeitung, Transport, Lagerung, Distribution sowie Raffinerie- und Handelsmargen umfasst, verzeichnet den größten Sprung.
Der Vergleich ist besonders eindrucksvoll bei Diesel. 2013, bei einem Brent-Preis von fast 109 Dollar, kostete der Liter 1,30 Euro. Heute, bei deutlich billigerem Öl, liegt der Preis bei 1,71 Euro. Das zeigt deutlich, dass die Entwicklung des Rohölpreises nicht mehr der entscheidende Faktor für den Betrag an der Tankstelle ist.
Eine weitere Dimension erhält die Geschichte durch staatliche Eingriffe, die Einzelhandelspreise und Margen begrenzen. Nach Schätzungen in der Analyse wären die Preise an den Zapfsäulen ohne diese Regierungsmaßnahmen um weitere 15 bis 20 Cent pro Liter höher. Das bedeutet, dass der Spielraum für Gewinne innerhalb der Ölkette ohne Regulierung noch ausgeprägter wäre.
Der Satz "Das Öl ist teurer geworden" reicht heute also nicht mehr als Erklärung für den Preis, den wir an der Zapfsäule sehen, heißt es in der Analyse.