In der Region Lika, in der Nähe der Ortschaften Mlakva und Kosinj, liegt der Kruščica-See. Obwohl er heute Naturliebhaber und leidenschaftliche Angler anzieht, birgt sein Grund eine ganz andere Geschichte. An der Stelle des heutigen Stausees befand sich einst das gleichnamige Dorf, dessen Leben und Gemeinschaft Anfang der 1970er Jahre für immer überflutet wurden.
Leben vor dem See
Bevor das Wasser die Landschaft bedeckte, war Kruščica eine lebendige Siedlung in der Lika, die am Fluss Lika lag. Laut Lika Club lebten in dem Dorf etwa 60 Familien, die hauptsächlich Landwirtschaft betrieben. Die Siedlung verfügte über die gesamte notwendige Infrastruktur für den Alltag, von Häusern und Schule bis hin zu Kirche und Friedhof.
Das zentrale Gebäude war die Kirche des heiligen Elias, des Schutzpatrons des Dorfes. Um sie herum reihten sich zahlreiche Stein- und Holzhäuser, ein typisches Bild der damaligen Lika-Landschaft. Doch das Schicksal des Dorfes war mit der Entscheidung zum Bau eines Wasserkraftsystems besiegelt.
Umsiedlung und gerettetes Erbe
Um Platz für den künftigen Stausee zu schaffen, begannen die Bewohner in den 1960er Jahren, ihre Häuser zu verlassen. Mit der endgültigen Bildung des Sees Anfang der 1970er Jahre, als für das Wasserkraftwerk Senj ein Damm gebaut wurde, wurde das Dorf nach und nach vom Wasser bedeckt.
Dennoch konnte ein Teil des sakralen Erbes erfolgreich gerettet werden. Der Altar aus der Kirche des heiligen Elias wurde in die Kirche des heiligen Johannes des Täufers in Aleksinica überführt. Die sterblichen Überreste vom alten Friedhof wurden in ein Gemeinschaftsgrab in der Nähe von Vaganac umgebettet, wodurch zumindest ein Teil der Seele des ehemaligen Dorfes vor dem Vergessen bewahrt wurde.
Gelegentliches Auftauchen der Vergangenheit
Die Überreste des Dorfes sind nicht immer sichtbar. Der See wird regelmäßig entleert, um Inspektionen und Arbeiten am Damm zu ermöglichen, was laut Lika Club etwa einmal in zehn Jahren geschieht. Bei diesen seltenen Gelegenheiten verändert sich die Landschaft dramatisch.
Wenn das Wasser zurückgeht, tauchen die Fundamente der Häuser, die Überreste der Kirche des heiligen Elias, eine alte Mühle und ein Mühlstein auf. An einigen Stellen sind auch Bäume zu sehen, die jahrzehntelang unter Wasser standen und von einer Zeit zeugen, als hier das Leben auf trockenem Boden blühte.
Paradies für Angler und Wildtierliebhaber
Heute ist Kruščica vor allem als attraktives Angelrevier bekannt. In seinen Gewässern leben beeindruckende Exemplare: Welse können über 90 Kilogramm erreichen, Karpfen über 25 Kilogramm, und einzelne Hechte über 15 Kilogramm. Daneben gibt es auch Schleien und Döbel.
Doch der See ist nicht nur ein Ziel für Angler. Umgeben von Wäldern und der Schlucht des Flusses Lika ist das Gebiet Heimat einer reichen Tierwelt. Man kann Otter, Rehe, Damwild und Hirsche treffen, und in der weiteren Umgebung leben auch große Raubtiere wie Bären und Wölfe.
Der Fluss, der den See schuf
Kruščica entstand durch die Aufstauung des Flusses Lika, des längsten Ponors Kroatiens. Die Lika entspringt am Fuße des Velebit auf etwa 600 Metern über dem Meeresspiegel, und ihr Lauf erstreckt sich über ungefähr 78 Kilometer. Das Einzugsgebiet des Flusses umfasst etwa 1570 Quadratkilometer und macht ihn zu einem wichtigen Teil der Lika-Landschaft.
Der See ist auf mehreren Wegen erreichbar. Eine Zufahrt führt über Kosinj und Mlakva, während man aus der anderen Richtung über Pazarište und Vaganac kommt. Für Abenteuerlustige gibt es auch die Möglichkeit, auf dem Wasserweg mit dem Boot durch die Lika-Schlucht aus Richtung Kaluđerovac anzureisen.