Eine Umweltkatastrophe droht vor der Küste Omans, nachdem der Tanker "Caroline Bezengi", der vermutlich 110.000 Tonnen Rohöl transportiert, in den Gewässern des Sultanats auf Grund gelaufen ist. Das Schiff, das mit der russischen "Schattenflotte" in Verbindung gebracht wird, ist zu einer tickenden Umweltbombe geworden, deren Inhalt nun unkontrolliert ins Meer austritt und sich der Ölteppich dramatisch in Richtung des staatlich geschützten Meeresgebiets ausbreitet.
Nach Satellitenbildern, die von der Organisation Greenpeace analysiert wurden, hat sich der Ölteppich in den letzten Tagen vervierfacht. Seine derzeitige Größe wird auf die doppelte Fläche der Stadt München geschätzt. Der Vorfall mit dem Schiff ereignete sich Anfang Juni 2026, danach wurden keine Daten zu seinem Standort mehr öffentlich gemacht.
Bedrohung für einzigartiges Ökosystem
Die größte Sorge bereitet die Tatsache, dass sich der Teppich in Richtung des geschützten Meeresgebiets im südlichen Teil des Sultanats ausbreitet, das Heimat artenreicher Korallenriffe und seltener Tierarten ist. "Gerade die unbewohnten Inseln sind Heimat für Meeresschildkröten, die die Strände zum Eierlegen nutzen", sagte Nina Noelle, Expertin für internationale Krisenintervention bei Greenpeace, gegenüber der ARD. Sie fügte hinzu, dass sich in den umliegenden Gewässern auch Delfine und eine seltene Art des Buckelwals befänden, und betonte, dass all dies nun akut gefährdet sei.
Noelle warnte auch vor potenziell katastrophalen Folgen für die lokale Bevölkerung. "Denn hier kann es wirklich passieren, dass Oman und seine Bevölkerung am Ende mit den Folgen und dieser dramatischen Verschmutzung dastehen", sagte Noelle.
Eigentümer-Rätsel und Appell an die UN
Die Suche nach den Verantwortlichen für die Sanierung wird durch die komplizierte Eigentümerstruktur des Schiffs zusätzlich erschwert. Das Geodatenunternehmen Synmax, das die Satellitenbilder analysiert hat, teilte mit, dass der Tanker, der unter EU-Sanktionen steht, wahrscheinlich in einem russischen Hafen Öl geladen hatte und auf dem Weg nach Indien war. Berichte deuten jedoch darauf hin, dass das Schiff einer Firma in China gehört, doch die Spur verliert sich, wie bei vielen anderen Schiffen der "Schattenflotte", bei einer Scheinfirma.
Badaoui Rouhban, Ingenieur und ehemaliger langjähriger Mitarbeiter der Vereinten Nationen, appellierte an die internationale Gemeinschaft, Verantwortung zu übernehmen, und betonte, dass Oman dieses Problem nicht allein lösen könne. Im Gespräch mit dem arabischen Fernsehsender Al Arabiya war Rouhban deutlich: "Wenn die Vereinten Nationen untätig bleiben, ist das einfach nicht akzeptabel. Es gibt die Internationale Seeschifffahrtsorganisation, die Schifffahrtsagentur der Vereinten Nationen. Der Exekutivrat dieser Organisation muss handeln und seine Verantwortung übernehmen."
Fehlen eines konkreten Plans
Obwohl das omanische Verkehrsministerium mitteilte, dass technische Teams den Vorfall überwachen und Sofortmaßnahmen ergreifen, um die Risiken für die Meeresumwelt so gering wie möglich zu halten, wurden keine konkreten Details darüber veröffentlicht, wie das Problem gelöst werden soll. Die Behörden haben die Eigner des Schiffs bereits erfolglos aufgefordert, den Tanker und seine Ladung aus omanischen Gewässern zu entfernen.
Umweltaktivisten warnen, dass jetzt schnelles Handeln entscheidend sei, etwa das Umpumpen des Öls auf einen anderen Tanker, um eine gewaltige Umweltkatastrophe mit unabsehbaren Folgen für die Umwelt zu verhindern.