Während sich Kroatien auf dem Höhepunkt einer weiteren Tourismussaison befindet, wird immer häufiger die Frage gestellt, ob die Preise zu weit gegangen sind. Ein Norweger kroatischer Herkunft, der aus Albanien an die Adria kam, war nach einem Besuch in einheimischen Geschäften fassungslos. "Ich dachte, die Leute übertreiben", kommentierte er gegenüber Dnevno.hr, überrascht von dem Preisniveau an der Makarska-Riviera.
Seine Erfahrung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem immer lauter über die Nachhaltigkeit des kroatischen Tourismusmodells gesprochen wird. Das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen in Kroatien betrug im Mai 2026 1.552 Euro, während es in Norwegen nach Steuern etwa 4.500 Euro sind. Trotz dreimal höherer Einkommen blieb auch ein Gast aus einem der reichsten europäischen Länder nicht vom Preisschock verschont.
Eis für 6 Euro und die Frage der Strategie
Über den Preisanstieg und die Zukunft des kroatischen Tourismus sprach in der neuen Folge des Podcasts Felix Contras, veröffentlicht am 4. August 2026, der politische Analyst Pavle Kalinić. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die immer teureren touristischen Dienstleistungen, von alltäglichen Ausgaben wie einem Eis für 6 Euro bis hin zum Geschäft von Hotels und privaten Unterkünften.
Kalinić analysierte, was hinter dem Preisanstieg steckt und welche Folgen dies für die Wettbewerbsfähigkeit des kroatischen Tourismus und das Leben der Bürger hat. Besonders ging er auf die Lage der kleinen Vermieter, die Importabhängigkeit des Tourismussektors und den Zustand der heimischen Landwirtschaft ein und stellte die Schlüsselfrage: Wie viel produziert Kroatien heute selbst und wie viel ist es von Importen von Lebensmitteln und Waren abhängig?
Adria, Verkehr und Notfallhilfe
Die Sendung befasste sich auch mit dem Schutz der Adria, den Problemen der Seewirtschaft und den Verkehrsengpässen, die jede Saison die Küstenstädte ersticken. Analysiert wurden auch die Organisation der medizinischen Notfallhilfe und des Rettungssystems an der Küste sowie die Entwicklung von Zagreb und die Verkehrsinfrastruktur.
Die zentrale Frage, die Kalinić stellte, lautet: Wovon wird Kroatien in Zukunft leben, wenn gleichzeitig Industrie und Landwirtschaft schwächeln und der Tourismus unter dem Druck hoher Preise und steigender Kosten an Wettbewerbsfähigkeit verliert? Die Erfahrung des norwegischen Gastes an der Makarska-Riviera legt nahe, dass die Antwort auf diese Frage immer dringlicher wird.