Japan erklärt China zur größten strategischen Bedrohung
Das 610-seitige Dokument befasst sich insbesondere mit der wachsenden militärischen Präsenz Pekings um Taiwan und der Möglichkeit einer 'grauen Blockade' der Insel.
Das 610-seitige Dokument befasst sich insbesondere mit der wachsenden militärischen Präsenz Pekings um Taiwan und der Möglichkeit einer 'grauen Blockade' der Insel.
Das japanische Verteidigungsministerium hat das Verteidigungsweißbuch für das Jahr 2026 veröffentlicht, ein umfassendes Dokument mit 610 Seiten, in dem China offiziell als größte und beispiellose strategische Herausforderung für die Sicherheit des Landes bezeichnet wird. Tokio geht davon aus, dass Peking die verstärkte militärische Aktivität um Taiwan bewusst zur neuen Normalität macht und damit den Boden für eine mögliche Blockade oder direkte militärische Operation bereitet.
Nach Angaben von Tokio wurden im Jahr 2025 in der Nähe von Taiwan mehr als 3.700 Flüge der chinesischen Luftwaffe und rund 2.600 Durchfahrten von Schiffen der Marine der Volksbefreiungsarmee Chinas (VBA) registriert. Die japanische Regierung geht davon aus, dass die umfangreichen Militärübungen eine Vorbereitung auf eine Blockade, die Durchführung von Präzisionsschlägen und eine koordinierte Operation aller Teilstreitkräfte darstellen.
Als wahrscheinlichstes Szenario wird die sogenannte "graue Blockade" hervorgehoben. Nach dieser Einschätzung könnte Peking zunächst die Küstenwache und zivile Strukturen für Inspektionen, die Einschränkung der Schifffahrt und die Isolierung Taiwans einsetzen, um bei Bedarf schnell zu einer vollen militärischen Operation überzugehen. Das Dokument warnt auch vor der Möglichkeit einer vorsätzlichen Zerstörung der Unterwasserinfrastruktur, wie etwa Kommunikationskabel, mit dem Ziel, in einer frühen Phase des Konflikts eine Lähmung der Kommunikation und Panik auszulösen. Als Beispiele werden Vorfälle mit beschädigten Kabeln zwischen Taiwan und den Inseln Matsu, Penghu und den nördlichen Inseln angeführt.
Das Weißbuch widmet sich auch besonders der Zusammenarbeit zwischen China und Russland. Die japanische Regierung schätzt, dass Russland im Falle einer chinesischen Militäraktion in der Taiwanstraße gleichzeitig den militärischen Druck im Luftraum und in den Gewässern nördlich von Japan oder in den umliegenden Gebieten erhöhen könnte. Ziel wäre es, Japan und die Vereinigten Staaten zu zwingen, Ressourcen umzuverteilen, was die Risiken für die regionale Sicherheit erhöht.
Das Dokument verzeichnet auch die aktive Erweiterung der chinesischen Seestreitkräfte über die erste Inselkette hinaus. Hervorgehoben werden gemeinsame Operationen der Flugzeugträger Liaoning und Shandong im Pazifik sowie die Indienststellung des dritten Trägers, der Fujian. Tokio geht davon aus, dass diese Kräfte eingesetzt werden könnten, um eine mögliche Intervention der USA und Japans in einer Taiwan-Krise abzuschrecken.
Zum ersten Mal enthält das Weißbuch auch ein eigenes Kapitel über Kriege der neuen Generation. Aus den Lehren des Konflikts in der Ukraine zieht das japanische Militär den Schluss, dass zukünftige Konflikte auf einer Kombination aus unbemannten Luftfahrzeugen (UAVs), künstlicher Intelligenz, Satellitensystemen, Cyberoperationen, elektronischer Kriegsführung und informationspsychologischen Operationen basieren werden.
Im Kontext der Taiwanstraße und der südwestlichen Inseln könnten Drohnen zur Überwachung der Miyako-Straße, des östlichen Taiwans und des Bashi-Kanals, zur Verfolgung chinesischer Flugzeugträger sowie für U-Boot-Abwehr, Minenlegung und die Erzeugung von Scheinzielen eingesetzt werden. Die japanischen Streitkräfte räumen ein, dass teure Flugabwehrraketen Angriffe von Schwärmen billiger Drohnen nicht lange abwehren können, weshalb eine mehrschichtige Luft- und Drohnenabwehr erforderlich ist.
Als Reaktion auf diese Bedrohungen beschleunigt Japan seine eigenen Vorbereitungen. Derzeit werden Langstrecken-Schiffsabwehrraketen in der Präfektur Kumamoto, Marschflugkörper vom Typ Tomahawk und hypersonische Gleitflugkörper in Shizuoka stationiert. Darüber hinaus wird in die Entwicklung von Aufklärungs- und Informationssystemen sowie in den Ausbau der Zusammenarbeit mit den USA und Verbündeten investiert. Das amerikanisch-japanische Bündnis bleibt das Fundament der Sicherheit, und Tokio wird mit Unterstützung Washingtons die militärische Zusammenarbeit mit Australien, Indien, den Philippinen und europäischen Ländern vertiefen, um, wie die japanische Regierung betont, eine Eskalation der Krise zu einem direkten Konflikt mit China zu "verhindern".