Der kroatische Tourismussektor sieht sich in diesem Sommer widersprüchlichen Signalen gegenüber. Einerseits gibt es Warnungen vor einem Rückgang der Gästezahlen auf Campingplätzen und wütende Briefe von Wassersportlern wegen hoher Preise, andererseits verzeichnen einzelne Destinationen eine Rekordauslastung, und eine davon ist gerade wegen ihrer Erschwinglichkeit zum Hit geworden.
Rückgang der Übernachtungen und Preisanstieg auf kroatischen Campingplätzen
Laut Daten von Dnevno.hr verzeichneten kroatische Campingplätze im Juni 2026 den größten Rückgang der Übernachtungszahlen, nämlich 11 Prozent weniger im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig zeigen Marktanalysen, dass die Campingpreise in Kroatien innerhalb eines Jahres um etwa 12 Prozent gestiegen sind, was das Land zu den teuersten Campingdestinationen in Europa macht.
Der durchschnittliche Tagespreis für einen Stellplatz für ein Wohnmobil für zwei Erwachsene und ein Kind in Kroatien beträgt etwa 73 Euro. Zum Vergleich: In Italien liegt der Durchschnitt bei 63 Euro, in der Schweiz bei 61 Euro und in Deutschland bei nur 41 Euro. Der europäische Durchschnitt liegt dabei bei etwa 49 Euro pro Tag. Auf Campingplätzen mit fünf Sternen erreicht der Durchschnittspreis in Kroatien 95 Euro, nur Spanien ist mit 98 Euro teurer.
Camping Stoja trotzt dem Trend, Gäste beklagen Preise
Trotz der negativen Zahlen auf nationaler Ebene spürt der Campingplatz Stoja bei Pula, gelegen in einem Kiefernwald am Meer mit einer Kapazität von 2200 Gästen, keine Krise. "Unser Campingplatz ist zu 97 Prozent ausgelastet, und der Prozentsatz wird in den nächsten Tagen nur noch steigen, bis zu 100 Prozent. Wir hatten keinen Rückgang der Übernachtungen", erklärte die Direktorin des Campingplatzes, Dolores Dragun, gegenüber RTL.
Die Preise für Stellplätze auf dem Campingplatz Stoja liegen zwischen 40 und 70 Euro, je nach Lage und Ausstattung, während Mobilheime für bis zu sechs Personen fast 400 Euro pro Nacht erreichen können. Einige Gäste, wie Frank aus Deutschland, finden, dass Camping zu teuer geworden ist: "Der Preis ist in Ordnung, aber er ist hoch, fast wie im Hotel. Letztes Jahr sind wir durch die Schweiz und Italien gereist, und als ich nach drei Wochen zurückkam, habe ich die Kosten mit Hotels verglichen. Ich habe ausgerechnet, dass uns Hotels tausend Euro weniger gekostet hätten."
Auch luxuriöse Glamping-Resorts bleiben bei den Preisen nicht zurück. Zehn Kilometer von Pula entfernt befindet sich ein Resort mit 199 luxuriösen Zelten und einer Kapazität von 600 Gästen, das vollständig ausgebucht ist. Ende August kostet eine Woche Aufenthalt dort 1675 Euro, und Ende Juli betrug der Preis für das einzige verbliebene freie Zelt 549 Euro pro Nacht.
Insel Fratarski: acht Euro für die Übernachtung, Tintenfisch für acht Euro
Eine völlig andere Geschichte bietet die Insel Fratarski, die in der Nähe von Pula liegt und von Pulas Bunarina aus in fünf Minuten mit dem Boot erreichbar ist. Die Insel mit einer Fläche von 19 Hektar und einer Länge von 600 Metern bietet Platz für etwa 300 Zelte, und alle Plätze sind derzeit belegt.
Die Preise dort sind, wie Direktor Damir Milanović sie beschreibt, "konkurrenzfähig, fast symbolisch". Die Reservierung eines Platzes kostet für die gesamte Saison 70 Euro, und dann zahlt man pro Nacht drei Euro pro Person und fünf Euro für das Zelt, was bedeutet, dass das gesamte Camping nur acht Euro pro Nacht kostet. Auch die Lebensmittelpreise belasten die Gäste nicht: Ein Hamburger kostet sechs Euro, eine Pizza zehn und gebratener Tintenfisch acht Euro.
"Wir haben keine Probleme mit der Auslastung, alles ist vollständig belegt. Das Ziel ist das gesellschaftliche Leben, die Bürger von Pula sind sehr mit der Insel verbunden, und es gibt auch Menschen, die seit ihrer Geburt dorthin kommen", sagte Direktor Milanović und fügte hinzu, dass etwa 90 Prozent der Gäste einheimische Besucher sind. Andrej aus Pula bestätigt: "Uns fehlen keine Touristen, aber es gibt hier auch Deutsche und Slowenen." Tine aus Slowenien betont das Gefühl von Freiheit: "Hier ist Freiheit. Ich kann schlafen, wo ich will, ein Zelt nehmen, so viel Platz einnehmen, wie ich will, und dort sein."
Wassersportler meiden Kroatien wegen "gieriger Politik"
Auch der Wassersportsektor bleibt von Kritik nicht verschont. Der Redaktion von Morski.hr meldete sich ein ausländischer Yachtkapitän mit langjähriger Erfahrung und warnte, dass Kroatien wegen hoher Liegeplatzpreise Gäste verliert. "Ich bin schon lange in der Nautik und im Yachting tätig, und leider hat Kroatien die teuersten Liegeplätze, und zwar doppelt so teuer wie andere. Ich bin ständig mit Beschwerden von Gästen konfrontiert: ‚Warum seid ihr so teuer?', ‚Das sind unnormale Preise!', ‚Wir kommen nicht mehr!' und so weiter", führte er in seinem Brief aus.
Als konkretes Beispiel nannte er einen Preisvergleich für eine 26 Meter lange Yacht und betonte, dass die Marinas in Montenegro, wie Portonovi, deutlich günstiger seien. Besonders kritisierte er das Angebot der ACI-Marinas im Vergleich zu den griechischen D-Marin-Marinas: "In Griechenland sind die Liegeplätze in den bekannten D-Marin-Marinas ebenfalls doppelt so günstig, und jede D-Marin ist viel besser ausgestattet und bietet mehr als die ACI-Marinas in Kroatien. Sie haben Pools für Gäste, Restaurants und Cafés innerhalb der Marina sowie Geschäfte und weitere Zusatzeinrichtungen."
Der Kapitän schloss mit einer deutlichen Botschaft: "Ich halte dies für eine falsche und gierige Politik und eine Richtung, die der Staat mit den ACI-Marinas sowie allgemein mit dem nautischen Tourismus einschlägt. Freundliche Grüße und lasst uns unser Meer schützen."